SCHOTTEL-Firmengründer Josef Becker erfand den rundum steuerbaren Ruderpropeller – der Beginn des weltweiten Erfolgs von SCHOTTEL als Hersteller innovativer Schiffsantriebe. Der SRP ist seither weltweit im Einsatz. Kürzlich jährte sich diese revolutionäre Erfindung zum 75. Mal.
Technisch und schiffbaulich höchst interessiert, sucht Firmengründer Josef Becker nach einer neuen Kombination aus Antrieb und Steuerung – ohne je ein Ingenieurstudium absolviert zu haben. Modellversuche finden in der Badewanne statt.
Der erste Ruderpropeller (150 PS/110 kW) wird in das firmeneigene Boot Magdalena eingebaut. Es ist benannt nach Josef Beckers Ehefrau.
Mit dem SRP steht einem Schiff erstmals die volle Kraft seiner Antriebsmaschine zum Manövrieren zur Verfügung, ohne dass ein separates Ruderblatt benötigt wird. Die Polizeiboote drehen bei voller Fahrt auf nur 1,5 Bootslängen und wenden bei Langsamfahrt fast auf der Stelle. Eine 180°-Drehung des Propellers reicht für den Wechsel von „voll voraus“ auf „voll rückwärts“.
Mit SRPs ausgestattete Schiffe der Wasserschutzpolizei Rheinland-Pfalz werden bei einer Flutkatastrophe in den Niederlanden eingesetzt. Mit ihrer hohen Manövrierfähigkeit erregen sie Aufsehen, was zu mehreren Aufträgen der dortigen Wasserschutzbehörde führt. Im Folgejahr trifft der erste Großauftrag über 15 Schiffe für die französische Rheinarmee ein. Diese Aufträge markieren den internationalen Durchbruch.
Am 23. November 1955 erhält die damalige SCHOTTEL-Werft das Patent Nr. 1025293 für den „steuerbaren Propellerantrieb für Schiffe mit Außenbordmotor“.
Die Erdölförderung im offenen Meer erfordert exakt positionierbare Schiffe. Das französische Kernbohrungsschiff Trebel ist dafür mit dem weltweit ersten dynamischen Positionierungssystem ausgestattet. Für höchste Manövrierfähigkeit sorgen zwei SRP 150.
Es folgten zahlreiche Weiterentwicklungen des SRP für fast alle in der Öl- und Gasförderung eingesetzten Schiffstypen: Sie halten Förderplattformen, Assistenz- und Versorgerschiffe, Kabel- und Rohrleger sowie Spezialschiffe wie hydrografische Forschungsschiffe und Taucherunterstützungsschiffe selbst bei schwierigsten Wetterbedingungen auf Position. Bis 2015 wird der Marktanteil im Bereich der Platform Supply Vessels auf 20 Prozent wachsen. Der Offshore-Markt ist nur einer von vielen, dessen Entwicklung der SRP maßgeblich beeinflusste – damals wie heute.
Gemeinsam mit einer in Hamburg ansässigen Reederei entwickelt SCHOTTEL den ersten Hafenschlepper mit Ruderpropeller: die Janus, die bis heute als Jan Leenheer im Einsatz ist. Die Marktakzeptanz spiegelt sich in guten Verkaufszahlen wider.
Der SRP entspricht perfekt den Anforderungen des neu konzipierten Heckschleppers – die Verkaufszahlen ziehen stark an, auch weil parallel die Internationalisierung des Unternehmens voranschreitet.
Der sogenannte Azimuth Stern Drive (ASD) Tug bietet gegenüber Traktorschleppern den Vorteil eines geringeren Tiefgangs und lässt sich präziser steuern und handhaben. Ende der 1980er Jahre sind 80 Prozent der von SCHOTTEL ausgestatteten Schlepper Heckschlepper.
Unter Wasser montierbare SRP 4500 werden in das weltgrößte Offshore-Kranschiff Micoperi 7000 eingebaut – seinerzeit die leistungsstärksten Ruderpropeller der Welt.
Immer größere Containerschiffe verlangen nach stärkeren Leistungen der Hafenschlepper. Der darauf abgestimmte neue SRP 1515 wird sofort zum Erfolg. Bis 2025 werden rund 1.300 Einheiten des zwischenzeitlich in SRP 460 / SRP 490 umbenannten Antriebs ausgeliefert. Das macht ihn zum erfolgreichsten Azimut-Antrieb weltweit.
Der SRP 1515 kommt mit einem Propellerdurchmesser von 2,6 Metern auf den Markt. Bereits im ersten Jahr werden zwölf Schlepper mit diesem neuen Antriebstyp ausgestattet, der zum erfolgreichsten Modell in der Produktgeschichte von SCHOTTEL werden wird.
Die SRP-Designprinzipien haben die Azimut-Technik des internationalen maritimen Markts richtungweisend beeinflusst. Bei SCHOTTEL ist er der Startschuss für die Entwicklung weiterer Haupt- und Hilfsantriebe, die in ihren technischen Features so vielfältig sind wie die Betriebsprofile der Schiffe, die sie ausstatten. Neben dem SRP wählen Kunden andere Hauptantriebe wie den Verstellpropeller SCP oder den Azimut-Pull-Propeller SCHOTTEL EcoPeller, hinzu kommen zahlreiche Hilfsantriebe.
Mit über 600 ausgestatteten Schleppern ist SCHOTTEL mit dem SRP die Nummer eins auf dem Markt.
Nach intensiver Forschung und Entwicklung in Kooperation mit der TU Dresden erfolgt 2016 die Markteinführung des Hochleistungsgetriebes HTG. Diese Innovation ermöglicht beispielsweise die Übertragung eines bis zu 15 Prozent höheren Antriebsmoments bei gleichen Abmessungen der Kegelräder.
Das HTG (High Torque Gear) verlängert die Haltbarkeit des Getriebes und führt zu erheblichen Leistungssteigerungen und Sicherheitsgewinnen. Mittels modernster Fräs- und Berechnungsverfahren werden Formgebungen erreicht, die ein hocheffizientes, robustes und sicheres Getriebe mit idealer Verzahnungsgeometrie ermöglichen.
Die für den Korrosionsschutz notwendigen Anoden erhalten eine neue Platzierung im hinteren Querschnitt der Düse. Die „ProAnode“ optimiert die hydrodynamischen Strömungseigenschaften und liefert betriebswirtschaftliches Potenzial. Und nebenbei verleihen sie dem SRP eine unverwechselbare Wiedererkennung.
Seit 75 Jahren überzeugt der SRP in verschiedensten Schiffsdesigns und Einsatzbereichen, die maximale Manövrierbarkeit, höchste Pfahlzugwerte und/oder herausragende Kursstabilität bei Freifahrt erfordern. Mit mehr als 17.000 installierten Einheiten in über 120 verschiedenen Schiffstypen ist der SRP heute das klassische Antriebssystem.
Mit SYDRIVE gibt es für den SRP eine mechanische und eine elektrische Hybridantriebslösung mit vielen betrieblichen und umweltrelevanten Vorteilen. Das neue Konzept wird erfolgreich am Markt platziert. 2025 markieren vier ausgelieferte SRP 710 mit SYDRIVE-M mit einem Pfahlzug von bis zu 120 Tonnen den stärksten Hybridantrieb SCHOTTELs.
Der reaktionsschnelle SRP-D kommt auf den Markt. Bis ins Jubiläumsjahr verkauft er sich über 50 Mal. Er ist eine unerlässliche Unterstützung für Schiffe, die für Inbetriebnahme und Wartung von Windparkanlagen eingesetzt werden.
Der SRP-D verfügt über eine um acht Grad geneigte Propellerwelle und einen vertikal integrierten elektrischen Antriebsmotor (LE-Drive). Dank kürzerer Reaktionszeiten kann schneller und gezielter auf äußere Kräfte wie Wind und Strömung reagiert werden, was eine höhere Positionierungsgenauigkeit des Schiffs bewirkt. Schiffe mit SRP-D arbeiten effizienter und sicherer, dazu mit längerer Einsatzzeit über das gesamte Jahr.
Aktuellen Marktstudien zufolge treiben Ruderpropeller von SCHOTTEL weit über die Hälfte der weltweit vollelektrisch betriebenen Schlepper an, gefolgt von einer Spitzenposition unter den Hybridschleppern.